Schwalm-Eder. Bomberjacke und Springerstiefel sind nicht mehr die Regel. Wer die rechte Szene erkennen will, muss genauer hinschauen. Mit Zahlencodes und Marken-Shirts, versteckten Zeichen und schwarzer Kleidung, die an die linksautonome Szene erinnert, tarnen sich Anhänger rechten Gedankengutes mittlerweile. Und die Gruppen sind sehr zersplittert.
Über das Thema informierten Experten unter dem Motto "Knüll gegen Rechts" am Dienstagabend im Bürgerhaus Rengshausen.
Der Ort war nicht zufällig gewählt: "Es gibt seit Jahren rechtsradikale Tendenzen im Knüll", sagte Bürgermeister Jörg Müller bei der Veranstaltung. Vor zwei Jahren habe es in Rengshausen einen fremdenfeindlichen Vorfall gegeben, auch in der Schule seien Probleme aufgetaucht.
Das alles sei bekannt, nun müsse eine Lösung gefunden werden, wie man damit umgehen könne. Dies geschieht derzeit mit einem Programm des Schwalm-Eder-Kreises unter dem Titel "Gewalt geht nicht".
Verantwortlich dafür ist Bildungsjugendreferent Stephan Bürger. Es sei schwierig, gefährdete Jugendliche zu erreichen, sagte er, daher wende man sich meist an Multiplikatoren in Schulen, Jugendarbeit, Verbänden und in der Kirche, um über sie die jungen Menschen zu erreichen.
Wichtig sei es auch, diejenigen zu unterstützen, die sich gegen den Rechtsradikalismus einsetzen. Mit der großen Resonanz im Bürgerhaus hatte Bürger nicht gerechnet. 100 Menschen waren der Einladung gefolgt.
Experte: starke Szene
Der Kreis arbeitet mit Partnern in Hessen zusammen. Von dort stammt auch der Soziologe Helge von Horn, der sagte: "Im Schwalm-Eder-Kreis ist die rechte Szene relativ aktiv und stark." Die Erkennungszeichen der Rechtsradikalen sind sein Spezialgebiet (weiterer Artikel). Häufig versuchten die Gruppen in der Jugendkultur über Kleidung und Musik Fuß zu fassen, besonders Musik gilt als Lockmittel.
Die Gruppen böten Freizeitangebote, wie Fahrten zu Konzerten und verteilten Flugblätter in Schulen.
Es gebe spezielle Zeitungen, die vordergründig über Jugendthemen berichten, inhaltlich aber die rechte Ideologie transportieren. Auch Internetportale seien ein Problem. "Dahinter steckt eine ganze Organisation", warnte Gerd Ochs, der im Aussteigerprojekt Ikarus der Hessischen Polizei mitarbeitet. Er riet zu mehr Kontrolle durch die Eltern.
Auch bei sozialen Netzwerken wie Schüler VZ müsse man auf die Profile achten. Er riet: "Lassen Sie sich zeigen, mit wem Ihre Kinder chatten, was sie auf dem MP 3-Player hören und welche Symbole sie tragen."
Von Christine Thiery
Quelle: http://www.hna.de///fritzlarsolo/00_20090422175501_Ganz_genau_hinschauen.html
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